Gemeinsam bauen, wohnen und leben

 

Schon seit vielen Jahren freue ich mich immer, wenn ich in der Dunkelheit durch die Straßen einer Stadt gehen, über Licht hinter den Fenstern und denke: hier ist jemand zu Hause und wenn das mein zu Hause wäre, dann hätte ich gleich Gesellschaft und wenn wir uns gut verstehen würden, dann könnte ich irgendwann sagen: Ich würde mich gerne zum Lesen oder Musik hören oder Bügeln oder telefonieren zurückziehen; oder ich würde sagen: wollen wir ins Kino gehen oder in den Biergarten?

Ich habe jahrelang in Wohngemeinschaften gelebt. Dort war das üblich. Später hatte ich Familie, auch da war das üblich. Seit 8 Jahren wohne ich wieder allein. Auch das ist gut. Ich bin berufstätig und abends manchmal froh, wenn ich meine Ruhe haben kann. Aber ich möchte nicht für den Rest meiner Tage so leben. Ich bin deswegen Feuer und Flamme für dieses Bauprojekt im Bahnhofsareal, auch deswegen, weil ich ein Stadtmensch bin. Ich freue mich jetzt schon darauf, an dunklen Winterabenden nach Hause zu kommen in der Hoffnung, dass keine Rolläden das Licht hinter den Fenstern aussperren und dass ich nette Mitbewohner in einer gemeinsamen Wohn- oder Waschküche treffen kann. Ich freue mich darauf, dass ich vielleicht über eine Kino-WhatsApp-Gruppe jemanden überreden kann, in den Schafstall zu gehen oder über eine Musik-WhatsApp-Gruppe jemand mich zu Hausmusik einlädt. Ich freue mich auf Sommer, wenn ich mit Hinz oder Kunz im gemeinsam genutzten Garten die Abendsonne genieße.

Ich freue mich darauf, mit anderen ein Auto teilen zu können, weil meines sowieso die meiste Zeit nur herumsteht. Ich freue mich darauf, für meine Nachbarn und Mitbewohner da zu sein, wenn sie mich brauchen. Ich freue mich darauf, dass ich Grünflächen nutzen kann, die andere in Ordnung halten, dafür würde ich mich um die Heizkostenabrechnung kümmern. Ich freue mich darauf, in einer Art kleinem Dorf innerhalb einer Stadt zu leben, in dem man sich kennt, nicht jeder jeden gleich gut, und in dem man Anteil am Leben der anderen hat. Zu den einen fühlt man sich mehr hingezogen, zu anderen weniger, das ist normal. Ich freue mich darauf, dass wir eine Gruppe sein können, die ein Grundvertrauen und eine offene Kommunikation verbindet.

Ich glaube, das kann ein sehr gutes Projekt werden, auf das es sich zu freuen lohnt.